Zelt richtig abspannen – 13 Tipps für ein windfestes Zelt

Dein Zelt muss richtig abgespannt sein, damit es bei hohen Windstärken stabil steht. Straff gespannte Zeltleinen vermeiden gebrochene Stangen. Und mit einem kleinen Trick lassen sich die Reißverschlüsse auch bei stärkstem Wind leicht schließen. Wir geben Tipps für entspanntes Camping bei Wind & Sturm.
Zelt auf einer Bergwiese
Eine schöne Aussicht bedeutet oft auch: Viel Wind! Die richtige Abspannung hält das Zelt sicher an Ort und Stelle.

Es wird langsam dunkel und der Sturm peitscht den Regen gegen deine Zeltwand. Neben dir sitzen deine Zeltnachbarn und versuchen, sich wieder aufzuwärmen. Vor einer Stunde sind ihre Zeltstangen im Sturm gebrochen, kurz darauf ist ihr Zelt in sich zusammengefallen. Du bist froh, dass dein Zelt gut abgespannt ist und du jetzt nicht raus musst, um Heringe einzuschlagen und Leinen straffzuziehen.

Doch auch bei schönem Wetter solltest du das Zelt sorgfältig abspannen. Warum? Diese Frage beantworten wir im folgenden Abschnitt und geben anschließend 13 Tipps für die richtige Abspannung deines Zeltes.

Zelt im Schnee Sturm
Heftiger Wind von der Seite: Hier können auf das Zelt Kräfte von über hundert Kilogramm wirken

Jedes Zelt hat rund um seine Basis und entlang der Nähte an den Zeltstangen Schlaufen. Hier können Abspannleinen oder Heringe befestigt werden. Warum ist das so wichtig?

Tunnelzelte fallen ohne Zeltschnüre sofort wieder zusammen. Kuppelzelte können ohne Hilfe auf ihren Zeltstangen stehen, dennoch gibt es viele wichtige Gründe, sie abzuspannen:

1. Stabilität

Kräftiger Wind (und im Winter Schnee) kann die Zeltstangen biegen oder sogar brechen. Abspannleinen entlasten die Zeltstangen und erhöhen so die strukturelle Stabilität deines Zeltes.

2. Trockenheit

Doppelwandige Zelte bestehen aus einem Innenzelt und einem wasserdichten Außenzelt. Ohne Abspannung kann dennoch Wasser ins Zelt gelangen: Bei Kälte und Regen kondensiert Wasser an der Innenseite des Außenzelts und läuft an der Zeltwand herab. An Stellen, wo das nicht wasserdichte Innenzelt das Außenzelt berührt, dringt dann Wasser ein.

3. Raum

Eine gute Abspannung verhindert durchhängende Bereiche in der Zeltwand. Das sorgt für mehr Platz im Zelt.

4. Belüftung

Zeltschnüre trennen das winddichte Außenzelt vom luftdurchlässigen Innenzelt. So kann die Luft im Zelt besser zirkulieren. Das verbessert die Luftqualität im Zelt. Im Sommer ist es kühler, im Winter trockener.

Empfohlene Ausrüstung

Einem neu gekauften Zelt sind oft zu kurze Leinen und unstabile Heringe beigelegt. Um dein Zelt gut und sicher abzuspannen empfehlen wir dir die folgende Ausrüstung:

Robuste Heringe

In sandigen und lockeren Böden geben diese Heringe mit breitem Profil sicheren Halt.

Für harte und steinige Böden sind bruchfeste Erdnägel aus geschmiedetem Stahl eine gute Wahl.

Lange Schnüre

Zeltschnüre müssen eine gewisse Länge haben, um dem Zelt seitliche Stabilität zu geben. Mit diesen 4 Meter langen, vorgeschnittenen Zeltschnüren kannst du dein Zelt windfest abspannen.

Gute Leinenspanner

Zeltleinenspanner aus Metall sind stabil, haben jedoch oft scharfe Grate, die Zeltschnüre beschädigen können. Dann hilft nur der Griff zur Feile. Mit diesen Dreilochspannern haben wir jedoch gute Erfahrungen gemacht.

Zeltleinen-Fähnchen

Letzte Nacht hat es mal wieder laut gerummst, weil jemand über deine Zeltschnur gestolpert ist? Auffällige Zeltleinen-Fähnchen verbessern die Sichtbarkeit der Schnüre bei Tag & Nacht!

Wie spanne ich mein Zelt ab?

Um deinem Zelt die bestmögliche Stabilität zu geben, arbeitest du dich beim Abspannen am besten von innen nach außen vor.

Schritt 1: Zeltstangen im Boden verankern

Am unteren Ende der Stangen, dort wo die Stangen den Boden berühren, hat das Zelt Schlaufen oder Ösen. Befestige sie mit Heringen am Boden. Jetzt kann das Zelt schon mal nicht mehr mit dem Wind wegfliegen.

Schritt 2: Verbinde das Außenzelt mit den Stangen

Einige Zelte haben auf der Innenseite des Außenzelts Klettverschlüsse, um das Außenzelt mit den Stangen zu verbinden. Falls dein Zelt solche Verschlüsse hat, schließe sie jetzt. Die Verbindung zwischen Außenzelt und Stangen ist wichtig! Nur so können die Abspannseile, die am Außenzelt befestigt sind, die Stangen verstärken.

Schritt 3: Das Außenzelt im Boden verankern

Rund um die Unterkante des Außenzelts sind Schlaufen verteilt. Verankere die Schlaufen mit Heringen im Boden. Ziehe das Außenzelt dabei vom Innenzelt weg und bringe es auf Spannung. Falls die Schlaufen zu kurz sind, kannst du sie ganz leicht mit Planen-Spanngummis verlängern.

Schritt 4: Die Leinen am Zelt anbinden

In der Mitte der Außenhülle befinden sich Schlaufen für die Abspannleinen. Wenn hier noch keine Leinen vormontiert sind, kannst du sie mit einem Palstek befestigen. Der Palstek hält gut, ist einfach zu knüpfen und auch wieder gut zu lösen. Wir nehmen für das Abspannen gerne leichte, robuste und reflektierende Zeltschnur.  

Schritt 5: Verankere die Leinen mit Heringen im Boden

Nun werden die Heringe gesetzt und die Leinen an den Heringen eingehängt. Sollten die Leinen keine Schlaufen haben, kannst du sie mit einem Fuhrmannsknoten oder mit Dreilochspannern abspannen. Das macht die Länge der Leinen justierbar und du hast mehr Freiheit beim Positionieren der Heringe.

Tipps für ein sturmfestes Zelt

Vielleicht hast du es schon einmal selbst beobachtet: Nach einem heftigen Sturm sind viele Zelte auf dem Campingplatz zusammengefallen und deine Mitcamper sind damit beschäftigt, ihre Schlafsäcke zu trocknen und Stangen zu reparieren.

Aber dieses eine Zelt am Seeufer, genau dort wo der Wind am stärksten war, hat nicht einmal eine Falte in der Zeltwand. Um zu lernen, wie du ein Zelt richtig gut abspannst, lies die folgenden Tipps.

1. Offene Reißverschlüsse schließen

Auch wir vergessen es manchmal, wenn das Zelt nach dem Winterschlaf im Frühling aus dem Packsack kommt: Vor dem Abspannen des Zeltes solltest du alle Reißverschlüsse schließen. Sonst gehen die Reißverschlüsse nach dem Abspannen nicht richtig zu.

2. Genug Heringe und Leinen einpacken

Viele Zelten werden vom Hersteller zu wenige Heringe und Abspannseile beigepackt, um alle Befestigungspunkte zu verankern. Möglicherweise musst du einige nachkaufen. Nimm ein paar Heringe mehr mit, als du brauchst. Es passiert immer mal wieder, dass sich ein Hering an einem Stein verbiegt oder verloren geht.

Wir benutzen gerne YDO Heringe aus geschmiedetem Q235-Stahl. Sie sind überaus robust und bis auf ganz lockere Böden wie Sand für jeden Untergrund geeignet.

3. Mach das Zelt lang!

Das Zelt steht am stabilsten, wenn seine Grundfläche so groß wie möglich ist.

  • Bei Kuppelzelten: Verankere eine Ecke des Zelts mit einer der Schlaufen, die in Bodennähe am Zelt angebracht sind, im Boden. Dann geh zur gegenüberliegenden Ecke, zieh das Zelt straff und verankere es mit einem Hering. Das wird wiederholt, bis alle Ecken verankert sind.
  • Bei Tunnelzelten: Befestige zuerst die beiden hinteren Ecken. Dann zieh das Zelt lang und befestige die beiden vorderen Ecken mit Heringen im Boden. Die Seiten des Tunnelzelts folgen zum Schluss.

4. Spanne Reißverschlüsse über Kreuz ab

Verankere die beiden Schlaufen am unteren Ende deiner Reißverschlüsse über Kreuz im Boden. Das nimmt seitliche Spannung von den Reißverschlüssen.

So gesichert schließen die Reißverschlüsse auch dann noch zuverlässig, wenn das Zelt mit Sturmleinen straff abgespannt ist oder kräftiger Wind am Zelt zerrt. Ein spannungsfreier Reißverschluss hält zudem Regen besser ab.

5. Zeltheringe im 45-Grad-Winkel einschlagen

Gute, richtig gesetzte Zeltheringe halten praktisch jedem Wind stand. Mit den folgenden Tipps bleibt dein Zelt am Boden:

  • Jeder Untergrund erfordert andere Heringe. Breite Sandheringe geben dem Zelt in lockeren Untergründen wie Sand und Lehm guten Halt, robuste Erdnägel aus Stahl sind für harte und steinige Untergründe die erste Wahl.
  • Schlage den Hering mit einem Hammer oder einem Stein in den Boden. Wenn du ihn mit dem Fuß in den Boden drückst, wird der Hering seitlich belastet und kann verbiegen oder den Erdkanal aufdehnen.
  • Die Heringe sollte so tief im Boden versenkt werden, dass nur noch ein kleines Stück herausschaut, an dem du die Zeltschnur befestigen kannst.
  • Am besten schlägst du den Hering in einem 45-Grad-Winkel in den Boden. Die Spitze zeigt zum Zelt. Warum? Ein senkrecht gesetzter Hering wird leicht aus dem Boden gezogen. Ist er sehr flach gesetzt, bricht er bei Belastung heraus.

6. Die Nähte verlängern

Wenn der Hering auf einer gedachten Linie mit der Zeltnaht steckt, wird die Zeltwand faltenfrei gestrafft. Das verbessert Windwiderstand und Belüftung.  

Lesetipp
Du möchtest deinen Nachbarn dabei helfen, ihre Zeltstangen zu reparieren? Wir haben die richtige Anleitung für euch!

7. Nutze alle Ankerpunkte

Das Anbringen von Heringen und Abspannleinen ist bei selbst stehenden Zelten optional. Allerdings ist es sinnvoll, dies zu tun:

  • Das Zelt bleibt an Ort und Stelle. Es kann nicht verrutschen und sich nicht im Wind aufstellen und davonfliegen.
  • Eine gebrochene Stange zerschneidet oft die Zeltwand. Sturmleinen, die an den Schlaufen entlang der Stangen angebracht sind, verstärken die Stangen und verhindern einen Bruch.

Die Ankerpunkte an der Basis des Zeltes straffen die Zeltwand und verbessern so die Belüftung des Innenzeltes.

8. Gerade Kanten für glatte Wände

Gerade Kanten an der Basis des Zelts sorgen für eine faltenfreie Zeltwand. Das hat neben der verbesserten Belüftung noch einen anderen Vorteil: Die Zeltwand flattert weniger stark im Wind und du kannst nachts besser schlafen.

9. Sturmleinen: 90-Grad-Winkel ist optimal

Sturmleinen unterstützen die Zeltstangen am besten, wenn sie einen rechten Winkel mit den Stangen bilden. Um dem rechten Winkel so nah wie möglich zu kommen, verankere die Sturmleinen weit entfernt vom Zelt oder stütze die Sturmleinen mit einem Gegenstand, wie einem Ast oder Wanderstock, ab. Das erhöht die Stabilität des Zeltes erheblich.

10. Alles schön fest anziehen!

Zelte aus Nylon und Polyester sind sehr reißfest. Du kannst die Abspannleinen also richtig straff anziehen!

11. Entferne Falten aus der Zeltplane

Falls das Zelt jetzt noch größere Falten hat, kannst du versuchen, sie durch Umsetzen eines Herings oder Nachjustieren einer Zeltleine zu entfernen.

Faltige Zeltwände flattern im Wind und können dich oder deine Nachbarn durch laute Geräusche stören. Durchhängende Zeltwände wirken wie ein Segel und sind deshalb bei starkem Wind eine Gefahr für die Stabilität des Zeltes.

Kleine Falten sind aber nicht schlimm. Oft ist der Boden, auf dem das Zelt steht, so uneben, dass es gar nicht möglich ist das Zelt vollständig faltenfrei abzuspannen. Wenn alle Zeltwände einigermaßen straff gespannt sind, ist alles gut.

12. Mache die Zeltleinen sichtbar

Zeltleinen sind nachts fast unsichtbare Stolperfallen. Wenn du in eine Zeltschnur läufst, kannst du hinfallen oder eine Schlaufe aus der Zeltwand reißen.

Um sie sichtbar zu machen, hänge mit Wäscheklammern helle Gegenstände wie zum Beispiel T-Shirts an die Leinen. Wir empfehlen diese auffällige Zeltleinen-Fähnchen, in denen beim Abbau des Zelts auch gleich die Leinen ordentlich verstaut werden können. Das beugt Knoten vor.

Eine weitere, wenn auch kleine Verbesserung sind reflektierende Zeltschnüre.

13. Bei Nässe nachspannen

Zeltwände und Leinen aus Nylon können etwas Feuchtigkeit aufnehmen und dehnen sich darum bei Nässe. Sie müssen bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Regen eventuell nachgespannt werden.

Die Luftfeuchtigkeit steigt, wenn es abends kälter wird. Deshalb prüfe am besten vor dem Schlafen gehen, ob sich eine Leine gelockert hat.

Tipp: Zelte aus Polyester, wie das von uns getestete CampFeuer XXL-Tunnelzelt, dehnen sich bei Nässe viel weniger.

Fazit

Eine gute Abspannung erhöht die Stabilität deines Zelts bei Wind & Wetter enorm. Eine straff gespannte Zeltwand verbessert auch die Belüftung. Mit unseren 13 Tricks kannst du dein Zelt richtig gut abspannen: Beispielsweise sollten Reißverschlüsse vor dem Aufbau geschlossen und immer über Kreuz abgespannt werden.

Ein weiterer wichtiger Schutz vor Sturm sind die Auswahl eines guten Stellplatzes und die korrekte Aufbaurichtung deines Zelts. Um mehr darüber zu erfahren schau dir unseren Ratgeber Zelten bei Gewitter und Blitzen: Smarte Tipps und Ausrüstung an!

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Fabian

Fabian

Beim ersten Camping hatte ich nur eine Wolldecke und einen aufblasbaren Sitzsack, auf dem ich auch geschlafen habe. Heute freue ich mich jedoch sehr über ein regendichtes Zelt und einen warmen Schlafsack! Ich habe ein Herz für gute Zelte, Natur, gute Musik, spannende Filme und Spiele, nerdige Technik-Gadgets und ich bastle gerne DIY-Ausrüstung für den nächsten Camping-Trip.
Fabian

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Beim ersten Camping hatte ich nur eine Wolldecke und einen aufblasbaren Sitzsack, auf dem ich auch geschlafen habe. Heute freue ich mich jedoch sehr über ein regendichtes Zelt und einen warmen Schlafsack! Ich habe ein Herz für gute Zelte, Natur, gute Musik, spannende Filme und Spiele, nerdige Technik-Gadgets und ich bastle gerne DIY-Ausrüstung für den nächsten Camping-Trip.